Erfahrungen einbringen, Wissen nutzen
Die Amcopia GmbH entwickelt intelligente Steuerungen für die Nutzung erneuerbarer Energien
Know-how-Transfer gilt als wichtige Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum. Im Regelfall geht es dabei um die Übertragung von Wissen aus der Forschung in die Industrie. Doch nicht minder wichtig ist branchenübergreifender Know-how-Transfer. Daran arbeiten die Gründer der Amcopia GmbH.
Die Namen Robin Schubert, Eric Richter und Marcus Obst sind in der Chemnitzer Unternehmerlandschaft keine unbekannten. Über Jahre formten die drei die Softwareschmiede Baselabs, die Algorithmen fürs Autonome Fahren entwickelt. Nach der Übernahme des 50-Mann-Start-ups durch den weltweiten Spezialisten für Automobilsoftware Vector Informatik treten die drei Unternehmer mit einer neuen Gründung an: Die Amcopia GmbH will Energiekosten für Endverbraucher minimieren und Eigentümern von Energiespeichern zusätzliche Einnahmen sichern.
„Nach unserem Ausstieg bei Baselabs war das Bedürfnis da, weiterhin einer sinnstiftenden Arbeit nachzugehen und dabei selbst entscheiden zu können, an welchen Problemen wir arbeiten und wie wir unsere Arbeitsumgebung gestalten wollen“, erklärt Geschäftsführer Robin Schubert die Motivation zur Neugründung: „Und es gibt ja auch weiterhin Probleme, die wir mit unserem Know-how bearbeiten können“, ergänzt Eric Richter, für die Technik zuständiger Gründer der neuen Firma.
Ein solches Problem identifizierten die drei studierten Elektroingenieure in der Nutzung erneuerbarer Energien. „Obwohl in Deutschland, aber auch weltweit der Anteil der günstig erzeugten erneuerbaren Energien wächst, ist das in den Energiepreisen für den Endverbraucher noch nicht wirklich spürbar. Wir wollen dazu beitragen, dass diese Energieformen bezahlbar für alle werden“, erläutert Schubert. Das Problem: Vor allem Strom aus Wind- und Sonnenenergie sind häufig dann am besten verfügbar, wenn der allgemeine Stromverbrauch eher gering ist. Effiziente Energiespeicher und dezentrale Verteilsysteme könnten das Problem verringern, sind jedoch noch nicht ausreichend gut ausgebaut. Das führt an den internationalen Strombörsen zu stark schwankenden Preisen – weil mal die verfügbaren Strommengen zu groß, mal zu klein sind. Genau diese Mechanismen will Amcopia nutzen. „Und dabei sollen nicht die Verbraucher gezwungen werden, ihre Gewohnheiten umzustellen und nur noch nachts Wäsche zu waschen – denn dass das in nennenswertem Umfang passiert, darf als ausgeschlossen gelten“, so Schubert.
Stattdessen setzt Amcopia auf Prognose- und Optimierungsalgorithmen – und macht sich die Erfahrungen aus dem früheren Arbeitsleben zunutze: „Die Unsicherheiten am Strommarkt sind ähnlich gelagert wie die Unsicherheiten beim Autofahren: Man weiß nie genau, was als Nächstes kommt“, sagt Richter. Algorithmen für genau solche Unsicherheiten zu entwickeln, war Kern der Arbeit von Baselabs. „Die Automobil-Industrie ist in diesem Bereich anderen Branchen ein paar Jahre voraus. Entsprechend können wir unser Wissen nun in neuer Umgebung einbringen“, ist sich Marcus Obst sicher, der die Softwareentwicklung bei Amcopia vorantreibt. Ziel ist es, Strom per intelligenter Steuerung immer dann zu kaufen, wenn er besonders billig ist – und ihn genau zu diesem Zeitpunkt in vorhandenen Speichern einzulagern, um ihn schließlich dann zur Verfügung zu stellen, wenn er gebraucht wird. So ließen sich die Strombezugskosten minimieren und die wirtschaftlichen Potenziale des Energiemarktes voll ausschöpfen. „Mit optimalen Lade- und Entladeplänen für Erzeuger, Speicher und Verbraucher machen wir Batterien, Wärmepumpen oder E-Fahrzeuge preisintelligent und die Verbraucher müssen ihr Verhalten nicht umstellen“, so Obst.
In den vergangenen Monaten hat Amcopia die Software entwickelt und mit mehreren Pilotkunden deutschlandweit getestet. „Die ersten Anwendungen sind auf die Eigentümer von Mehrfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien fokussiert – diese sind einerseits bereits häufig mit Systemen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien ausgestattet, andererseits lohnt sich vor allem bei hohen Verbräuchen oder gepaart mit Mieterstrom-Modellen die Optimierung. Zum Geschäftsmodell von Amcopia gehört, dass es keine großen Grundpreise für den Einsatz ihrer Software gibt, sondern man sich die durch die Optimierung erzielten Gewinne mit dem Anwender teilt. „Im Durchschnitt hat sich bei unseren Pilotprojekten die Rendite von Solaranlagen, Speichern und Wärmepumpen um etwa fünf Prozent erhöht. Investitionen in erneuerbare Energien amortisieren sich also deutlich schneller“, sagt Robin Schubert.
Im Herbst 2025 überzeugte das Amcopia-Team die Jury des achten TUClab-Wettbewerb der TU Chemnitz und der Sächsischen Aufbaubank. Ab Frühjahr 2026 sollen aus den Pilotprojekten dauerhafte Kundenanwendungen werden. Auch für Neukunden, vor allem die energetischen Verwalter größerer Gebäudeportfolios, ist Amcopia dann offen. Noch arbeitet das Gründerteam allein, doch schon bald sollen auch Mitarbeitende hinzukommen. Mit dem Technologie Centrum Chemnitz hat Amcopia einen Partner gefunden, in dessen Räumen das Unternehmen flexibel wachsen kann. „Die gute Infrastruktur vor Ort hat, verbunden mit einem ausgewogenen Preis-Leistungs-Verhältnis, dazu geführt, dass wir uns für diesen Standort entschieden haben“, so Eric Richter.
TCC Annaberger Straße
Annaberger Straße 240
09125 Chemnitz