Ist Indien das neue China?

Ist Indien das neue China?

Regelmäßig laden die Technologie Centrum Chemnitz GmbH und SAXEED, das Gründungsnetzwerk an den südwestsächsischen Hochschulen, zum Gründerfrühstück. Am 12. Dezember standen unternehmerische Chancen in Indien im Mittelpunkt.

Knapp 20 Teilnehmende aus Chemnitzer Start-ups und Gründungsvorhaben zählte die letzte Auflage des Gründerfrühstücks 2025. Mit Carsten Fuchs, Geschäftsführer der im TCC angesiedelten BEAS Technology GmbH, war ein Referent gewonnen worden, der die indische Wirtschaft seit zwei Jahrzehnten aus unterschiedlichsten Perspektiven kennengelernt hat – als Beauftragter eines deutschen Konzerns zur Etablierung einer Niederlassung in Indien, als Kooperationspartner indischer Unternehmen, als Geschäftsführer eines Start-ups mit indischer Beteiligung. Seinen instruktiven Vortrag hatte er unter das Thema „Ist Indien das neue China?“ gestellt.

Fuchs skizzierte die Wachstumsdynamik Indiens: 2023 hat es China als bevölkerungsreichstes Land der Erde abgelöst. Zugleich ist Indien die größte Demokratie der Welt. Die Regierung setze auf „Made in India“, um das heimische Wirtschaftswachstum anzukurbeln, und nutze dafür auch protektionistische Maßnahmen. Zugleich zeichne sich der Subkontinent durch eine relativ hohe politische Stabilität aus, auch wenn die Verteilung des Reichtums noch sehr ungleichmäßig sei. Deshalb müsse man – insbesondere in Werken von Weltkonzernen in den großen Metropolregionen – immer wieder auch mit Streiks der Angestellten rechnen, die auch Auswirkungen auf benachbarte Unternehmen haben.

Im ländlichen Raum hingegen folge die Entwicklung der Infrastruktur häufig den Ansiedlungsentscheidungen von Unternehmen – oft allerdings auch mit einigem zeitlichen Abstand, was die Logistik erschwere. Zugleich sind die Arbeitskosten niedrig, allerdings das Qualifizierungsniveau insbesondere in produzierenden Berufen noch nicht sehr hoch. Angesichts der Größe des Landes empfehle es sich nicht, sich auf einen Standort zu fokussieren, wenn man im gesamten Land erfolgreich sein wolle. So gelte es, bei Standortentscheidungen besonders umsichtig zu agieren. Fuchs zitierte eine Empfehlung, die er selbst erhalten hatte: „Indien ist wie ein Tiger. Er schläft lang und tief, aber wenn er erwacht, dann renne um dein Leben.“

Kooperationen zwischen europäischen und indischen Unternehmen seien beziehungsorientiert. Angesichts von 22 Amtssprachen habe sich Englisch als Verkehrssprache im internationalen Geschäft etabliert. Als Europäer müsse man ohne Arroganz auf indische Partner zugehen – und Geduld mitbringen. „Aber meine Erfahrung ist: Die Symbiose aus deutschem Ingenieurswissen und indischer Dynamik kann richtig erfolgreich sein“, resümierte Fuchs: Indien sei nicht das neue China, sondern das neue Indien.

Zuvor hatte Frederic Vulpus das Projekt „Start2Train“ vorgestellt, das Unternehmen in Sachsen und Rheinland-Pfalz für die duale Ausbildung sensibilisieren möchte. Häufig seien eigene Ausbildungsaktivitäten das geeignete Instrument, um passgenau Fachkräfte zu entwickeln, frische und junge Perspektiven ins Unternehmen zu bringen und ungenutzte Potenziale zu erschließen. „Start2Train“ könne dabei unterstützen, die passenden Ausbildungsprofile zu identifizieren, bürokratische Hürden bei der Anmeldung als Ausbildungsbetrieb zu überwinden und potenzielle Azubis zu werben.

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